Geschichten von damals und heute
• 10.05.2007 - Das Konzil
Jeder, der schon einmal nachmittags einkaufen oder beim Arzt war, hat sich bestimmt schon über die Älteren gewundert, die dort sitzen als gäbe es keinen Morgen. Den Morgen, an dem diese Leute Zeit en masse haben, aber nicht den Arzt aufsuchen, bzw. einkaufen gehen. Ich habe mich mal drangemacht, um herauszufinden, warum das wohl so ist. Dabei bin ich auf Erstaunliches gestoßen, was ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Alles begann vor ein paar Jahrzenten. Die jung gebliebenen unter uns können sich noch gut an die Gründerzeit der BRD erinnern. 1949 war es soweit. Adenauer trat sein Amt als erster Bundeskanzler an, das Wirtschaftswunder Deutschland hockte in den Startlöchern, und das Konzil wurde gegründet. Welches Konzil? Das "Konzil der zukünftig Alten". Der Grundgedanke war, dass sich selbst heutige Generationen an die Gründerzeit erinnern sollten. Und zwar dadurch, dass die damalige Generation nicht mehr mit der Zeit gehen, sondern dem damaligen Stil treu bleiben sollte. Zunächst durch Kleidung, das war am einfachsten zu bewerkstelligen, denn "man hatte ja eh nichts". Im weiteren Verlauf sollten sich die Leute der Weiterentwicklung verweigern.
Natürlich gab es ein paar Querulanten die unbedingt weiterkommen wollten, sonst würden wir wahrscheinlich heute noch im BMW AM1 durch die Straßen kriechen. Es bildeten sich also zwei Fronten. Die Innovativen wussten zwar vom Konzil, sahen dort aber keine großartige Bedrohung und ließen sie in Ruhe. Aus Frust darüber beschloss das Konzil, dass neben der Erinnerung auch die Enttäuschung zu spüren sein sollte. In geheimen Sitzungen, die ungefähr die Größe des heutigen Bundestags hatten, wurde unter Anderem Folgendes beschlossen:
- Alle 4 Tage liegt ein Pflichtbesuch beim Hausarzt an, egal ob es einem schlecht geht oder nicht. Diese Besuche sind nur nachmittags zu erledigen, um anderen Mitmenschen die wirklich nur nachmittags Zeit haben, selbige zu rauben.
- Es wird nur in Notfällen neue Kleidung gekauft. Zweimal im Jahr wird eine Tauschbörse abgehalten, bei der die Mitglieder des Konzils ihre Kleidung untereinander tauschen. Ungewaschen versteht sich. (Anders kann auch der Mischgeruch von altem Schweiß, Mottenkugeln und 4711 nicht erklärt werden.)
- Die Schuhindustrie verpflichtet sich mindestens für die nächsten 100 Jahre Schuhe herzustellen, die wider jeden Geschmack sind (selbst für damalige Verhältnisse). Die Produktion von dunkelbraunen Kunstledersandalen, hellgrauen Slippern und weißen Kniestrümpfen werden vorangetrieben. Schuhe und Strümpfe werden unter dem Ladentisch im Paket an Konzilmitglieder verkauft.
- Bei Gesprächen muss mindestens jeder 3. Satz "Wir hatten ja nichts.", "Du weißt ja gar nicht, wie das war." oder "Früher war alles besser." sein.
- Einkäufe müssen in der Zeit ab 15 Uhr erledigt werden, damit andere, die nur dann Zeit haben einzukaufen, den Frust des Konzils zu spüren bekommen.
- Blutwurst muss in rauen Mengen gekauft werden, ebenso wie Graupen, Schweinefüße und -ohren. Zusätzlich soll die Hälfte der Mitglieder Tierinnereien wie Mägen, Herzen und Lebern kaufen. Diese Speisen sollen vor den Augen von Nicht-Mitgliedern mit Genuss verzehrt werden.
- Mercedes Benz wurde verpflichtet, die Farbe "silber-grau metallic" herzustellen, und alle Modelle ab der E-Klasse an Konzilmitglieder für den halben Preis zu verkaufen. Diese Modelle haben bereits seit den frühen 70ern Bordcomputer und Sensoren für herannahende Fahrzeuge als Serienausstattung. Grundsätzlich muss die Fahrgeschwindigkeit 20 km/h weniger als erlaubt betragen. Setzt ein anderes Fahrzeug zum Überholen an, regelt der Bordcomputer die Geschwindigkeit und das Fahrzeug wird beschleunigt, um den Überholvorgang zu verhindern. Der einzige Nachteil dieser Bordcomputer ist, dass sie nur Sonn- und Feiertags funktionieren. Das Fahrverhalten der Mitglieder hat sich entsprechend angepasst.
- Die Parfümerie "4711" wurde verpflichtet, hektoliterweise "Echt kölnisch Wasser" mit einem markanten Geruch zu erfinden, und dieses in 1-l-Flaschen an die Mitglieder des Konzils zu verkaufen, für den halben Preis.
- Alles, was keine (sichtbar) mechanischen Teile hat, wird als "neumodischer Kram" abgetan, mit dem Begleitsatz "Brauch ich nicht."
All das sind Tatsachen, die von Aussteigern berichtet wurden oder auf alten Schriftrollen zu finden war. Wenn Ihnen also das nächste Mal eine ältere Person begegnet und sie eines der oberen Kriterien erkennen können, wissen Sie, wen Sie dort betrachten: Ein Mitglied des Konzils. |
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• 17.07.2006 - Großeltern
Heute dreht sich mal die Geschichte um die lieben Großeltern. Alle Großeltern haben zwei Sachen gemeinsam: Früher hatten sie nichts, und heute können sie nichts mehr. Aber der Schein trügt. Eins können Omas immernoch gut, und zwar sich um ihre Enkel kümmern. Opas können auch eine Sache gut, und zwar sind das Tatsachenberichte. Entweder über den Krieg, den letzten Arztbesuch, oder das Morgengeschäft.
Widmen wir uns zunächst den Omas. Alle Omas waren ja mal jung, und die heutige Generation an Omas sind meist schon als Kinder Mütter gewesen. Zumindest Puppenmutti. Das war dann die Kümmerphase 1. Sie scheinen sich nicht wohl zu fühlen, wenn sie sich nicht um irgendjemanden kümmern können, und Puppen wehren sich bekanntermaßen wenig. Es muss ein hartes Los gewesen sein, sich um eine Holzpuppe zu kümmern. Damals gab es ja noch keine Baby Born, die beim kleinsten Geräusch anfängt zu weinen oder nach dem Essen auch ordentlich die Windel vollmacht, sondern die Puppen hießen Lisa und Erna, und schauten nur. Achja, und sitzen, das konnten sie auch. Glaubt man den Erzählungen der Omas, liefen sie früher Tag aus Tag ein mit der Puppe durch die Gegend. Reichere Leute hatten auch schon einen Puppenwagen, das ist nun aber Nebensache. Da entschlossen sich wohl viele junge Omas, dass sie ein echtes Kind heranziehen sollten, um das man sich mehr kümmern könnte. Kümmerphase 2. In der zweiten Phase ist das echte Kind da, und an dem wird erstmal alles getestet, was mit Puppen früher ohne Weiteres ging. Nach dem 3. Versuch ein 3 Wochen altes Kind sitzen lassen zu wollen, haben die meisten dann verstanden, dass es wohl noch etwas dauert und das Kind vom ständigen Umfallen bestimmt Langzeitschäden davonträgt. Omas, die dann Mütter sind, würden ihren Kindern meist mehr geben, als sie können, doch dadurch, dass es "schlechte Zeiten" waren, "hatten wir ja nichts." - das frustet natürlich. Ein kleiner Trost ist dann das Körperliche. Omas scheinen es wahrhaftig zu lieben, wenn dem kleinen Racker etwas fremdkörperliches im Gesicht klebt, vorzugsweise im Mundwinkel. Jeder kennt das - die Oma greift zu ihrem Taschentuch (welches übrigens grundsätzlich ein Stofftaschentuch ist, denn das war nunmal das Markenzeichen der feinen Leute. Ich habe jedes Mal gebetet, dass sie das Tuch nach dem letzten Benutzen gewaschen hat), dann zweimal kurz auf eine Ecke gespuckt, und den Mundwinkel saubergemacht. Omas können sich nicht vorstellen, dass wir sowas ekelig finden. Oder sie sind Sadisten, und quälen gerne jüngere Menschen, da diese sich nicht wehren können. Schlimm ist auch, wenn sie ihr Taschentuch mal vergessen, und ihnen die Nase läuft. Der Ärmel ist kein adäquater Ort für Naseninhalt, aber der Straßenrand ist es. Mit einem mehr oder weniger gekonnten ruckartigen Ausstoßen der Atemluft durch ein Nasenloch (das andere wird zugehalten) ist die Nase wieder frei. Wenn dann doch mal der Ärmel oder das Enkelkind im Weg ist, wird schnell gelacht und alles verwischt. In der Hinsicht sind Omas und Opas übrigens gleich. Wenn die Omas dann wirklich Omas sind, und die Enkel älter werden, winken sie meist mit einem Euro hier und da, was die Enkel natürlich freut. Da sie ja nun älter sind "und das ja nu alles auch nich mehr so können", kümmern sie sich finanziell. Glaubt mir, Omas und Opas, Eure Enkel finden es viel besser mal nen Zwanziger mitnehmen zu können, als Omaspucke im Gesicht zu haben. Spannend ist ja zu hören, wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, dass es nicht nur mir so geht. Auch andere Leute machen diese Erfahrungen. Opas kümmern sich auch um ihre Enkel, aber anders natürlich. Opas sind eher dazu da, die Enkel auf die Welt vorzubereiten, wie sie früher war. Einer meiner Opas hat mir mal gezeigt, wie man aus einem Weidenast und einem Bindfaden einen Bogen herstellt, mit dem man andere Weidenäste als Pfeile schießen konnte. Oder vielmehr 'könnte', denn beim Präparieren des Bogens hat er sich sein schönes (und äußerst scharfes) Taschenmesser in den Daumen gerammt. Kleine Kinder machen ja alles nach, und weil er jedes Mal gelacht hat, wenn mir ein Missgeschick passierte, lachte ich nun auch. Es war wirklich erstaunlich, wie schnell so ein Opa doch rennen konnte. Wir beschlossen dann einige Wochenenden später weniger gefährliche Arbeiten durchzuführen. Wir bauten eine Zwille. Sehr zum Leidwesen des nachbarlichen Gewächshauses im Schrebergarten. Ich besaß die Zwille also nicht lange. Wenn Opas dann alt sind, sind sie, wie der Volksmund sagt, "ohne Karten". Sie mussten sich ihr ganzes Leben zusammenreißen und drauf achten, was sie sagen, dass sie es irgendwann einfach nicht mehr tun. Das ist meist auch der Punkt, wo andere Leute sagen 'Lass ihn, er ist schon alt.' - fast schon bemitleidend lassen sie dann den Geschichten der alten Männer in den blumigsten Ausführungen seinen Lauf. Ebenso ist das mit dem Feingefühl eine Sache. Ich war damals noch zarte 13, da wurde mir mitgeteilt, dass meine Weisheit im Munde auswüchse, und daher selibige Zähne entfernt werden sollten. Nach der Operation stand wieder ein Besuch bei den Großeltern an, und mein Opa sagte zu mir "Und iss bloß keine Schokolade. Mein Kumpel Adrian, dem ham se auch die Weisheitszähne gezogen. Dann hat der Schokolade gegessen, und ist verrückt geworden. Und drei Tage später war er tot!" Ein Kloß von der Größe eines Medizinballs bildete sich in meinem Hals, und meine Mutter sagte gleich "Wann war das denn?" - "1948!" Ich war etwas beruhigter. "Naja, damals gab's wohl noch kein Penicillin." - "Ach, Tabletten. Sowas brauchten wir damals nicht." Nach dieser weiteren Erklärung war der Kloß weg, und es ging mir wieder gut. Als die Großeltern meiner Frau uns das erste Mal in unserer Wohnung besuchten, und wir mit dem Essen fertig waren, sagte der Opa 'Ick möht mol eben upmoken.' und öffnete seine Hose. Ich sagte nur 'Fühl dich wie zu Hause.' Was für ein Spruch. Es ist doch nur eine Floskel. Jedenfalls für uns 'Jungspunte'. Er grinste, und sagte dann 'Weißt du, ich hatte ja so Probleme mitm Stuhl. Aber so.. in den letzten zwei Wochen is das besser geworden.' Seine Frau nickte eifrig. Meine Frau hustete kurz, und ging mit dem benutzten Geschirr nach draußen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Er sagte dann etwas ernster: 'Ja, du lachst. In deinem Alter hab ich mir da auch nie Gedanken drüber gemacht. Aber das war ne Zeit lang so, als würd ich täglich zwei Kilo Schokolade essen.' Dann grinste er wieder: 'Aber jetzt seit zwei Wochen läuft das wieder, herrlich.' So sprach er, und verschwand im Bad. Soviel zunächst von mir zum Thema Großeltern.
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• 24.06.2006 - Mysterien der World of Warcraft
Es wird diesmal kein Familieneintrag.
Heute widme ich mich mal dem Thema „Die Mysterien der World of Warcraft“.
Es gibt ein paar interessante Dinge, die einem mit der Zeit auffallen,
die nicht immer ganz logisch sind. Wenn man mal ein wenig drüber
nachdenkt, ist es einem schon aufgefallen. Manches ärgert einen, üb er
manches ist man froh.
1. Beispiel: Blinde Murlocs.
Jeder Allianzler kennt das Problem. Man erhält die Aufgabe, für einen
Eintopf ein paar Murlocaugen zu sammeln. Man findet Murlocs an der
ganzen Küste, und man braucht nur 5 Augen. Im ersten Moment denkt man
‚Hey, das ist doch toll. Die Sache ist in fünf Minuten erledigt. Kurz
nachgerechnet muss man 3 Murlocs töten, die Augen mitnehmen, und fertig.
Soweit die Logik - dem Gegenüber steht aber ein Mysterium.
Damals war ich noch ein junger Paladin, der das erste Mal auszog um die
Welt zu erkunden. Ich kam also zur Küste, und sah Murlocs soweit das
Auge reicht. Ich rieb mir die Hände, und freute mich über einen
einfachen Auftrag mit guter Belohnung. Ich zog also meinen mächtigen
Zweihänder, und erlegte meinen ersten Murloc. Ich nahm ihn aus und was
fand ich zu meiner Überaschung? Kein einziges Auge! Dabei hätte ich
schwören können, eben hätte er noch zwei gehabt. Leider lag er nun mit
dem Gesicht im Sand, so dass ich mich nicht vergewissern konnte. Ich
war mir doch so sicher? Naja, vielleicht hab ich mich versehen. Ich
suchte mir den nächsten Murloc aus, mit zwei großen Augen. Ich erlegte
doch - ihr ahnt es - kein Auge. Ist doch n Ding, oder? Von da an waren
mir die Viecher unheimlich. Alle sagten, sie wären nicht sehr
intelligent, doch sie konnten Glasaugen herstellen! Oder hatten sie
diese Brillen, wo einfach nur Augen aufgemalt waren? Hat mich mein
Auftraggeber verkohlt, als er sagte, er bräuchte Murlocaugen?
Vielleicht ist das auch nur ein Synonym für etwas, das nur aussieht,
wie ein Murlocauge. Doch... mal im Ernst, was sieht schon aus wie das
Auge eines Frosches auf zwei Beinen...
Am Ende musste ich ungefähr 30 (!) Murlocs für 5 Augen töten.
2. Beispiel: Zentraurenohren.
In der Einöde von Desolace bekam ich wieder eine dieser interessanten
Sammelaufgaben. Mein Auftraggeber hattet etwas gegen ein paar Wesen mit
einem Pferdekörper, doch wo der Hals des Tieres sein sollte, ist ein
menschlicher Oberkörper. Er nannte sie Zentauren. Da er sie nicht
mochte, sollte ich losziehen, um sie zu erlegen. 20 Ohren sollte ich
mitbringen, als Beweis. Er sah mich dabei so seltsam an, und faselte
etwas von einer Suppe... Ich wollte es mir nicht vorstellen. Daher zog
ich los. Auf dem Weg dachte ich kurz nach - Ein Zentaure hat
wahrscheinlich zwei Ohren, zumindest wenn man den Erzählungen der
Einheimischen Glauben schenkt. Macht also 10 Zentauren. Die Geschichte
mit den Murlocs hatte ich schon verdrängt.
Ich fand also das Lager mit den Zentauren, und suchte mir einen aus.
Ich zählte noch schnell seine Ohren - zwei - und erlegte ihn. Ich nahm
seinen Leichnam aus, und - ein Ohr. Wie... eins? Eben hatte er noch
zwei! Wo war das andere Ohr hin? Hatten vor mir schon andere den
Auftrag, und haben es ihm während des Kampfes abgeschlagen? Hat das Ohr
vielleicht Angst bekommen und sich nach innen gestülpt? Wenn, dann wäre
das wohl eine geniale Idee. Oder ein Gendefekt. Den schienen die
anderen Zentauren übrigens auch zu haben, denn ich habe fast 30
Zentauren erschlagen. Ich berichtete meinem Auftraggeber von diesen
seltsamen Vorkommnissen, aber der war zu beschäftigt, ein paar Ohren in
einen blubbernden Kessel zu werfen. Die Frage, ob ich zum Essen bliebe
verneinte ich noch knapp, bevor ich mich hinter dem nächsten Baum
übergeben musste. Er hatte sie nichtmal gewaschen...
3. Beispiel: Die großen Bosse.
Jeder kommt irgendwann mal an einen Auftraggeber, der von einem richtig
fiesen Kerl, einer unglaublich bösen Frau oder einem gemeinen Wesen
erzählt, dessen Kopf unbedingt vom Körper getrennt werden müsse. Der
zweite Teil der Abmachung ist, dass man den Kopf mitbringt. Diesen
trägt man üblicherweise in einem Rucksack mit sich rum, welchen man
hinterher natürlich vergessen kann - der Gestank geht nie wieder raus.
Die richtig Bösen haben eines gemein - sie sind nicht von einer Person
alleine zu erlegen, sondern man holt sich dazu Hilfe. Sie hause
entweder in Höhlen, oder in Gebäudekomplexen, die natürlich schwer
bewacht sind.
Ich sammelte also 4 tapfere Recken um mich, und wir zogen los. In
diesem Fall ging es um einen Steinmetz, der sich benachteiligt fühlte,
und sls Rache gegen den König revoltierte. Der König fand das natürlich
nicht besonders witzig, also wollte er ihn tot sehen.
Wir gingen durch die Höhle, in der er mit seinen Kumpanen hauste, und
prügelten uns bis zu ihm durch. In der Höhle befand sich ein beachtlich
großer Raum, in dem ein Schiff lag. Wir also rauf auf das Schiff, und
standen ihm gegenüber. Kurz die Taktik erklärt, dann töteten wir ihn.
Der König wollte auf Nummer sicher gehen, und hat jedem von uns den
Auftrag gegeben, den Herren einen Kopf kürzer zu machen. Naja, sicher
ist sicher. Interessant war dann aber, als wir den Leichnam des
Bösewichts ausnahmen. Ich nahm mir den Kopf, und einen Brief. Der
nächste untersuchte den Leichnam und fand ebenfalls den Brief - und den
Kopf! Wir schauten uns an und verglichen die Köpfe - sie waren
identisch. Dann kam unser dritter Mann. Dreimal dürft ihr raten, was
der an sich nahm. Richtig - Brief und Kopf. Hatten wir es mit einem
Mutanten zu tun?
Jeder von uns hatte nachher einen Kopf, und einen Brief. Auch die
Briefe waren identisch. Nachdem der Herr uns fünf Köpfe und fünf Briefe
überlassen hatte, gab er noch sein Hemd her - dieses aber nur einmal.
Seltsam, seltsam. Doch was würden wir dem König sagen? Wer hatte den
nun das Vorrecht? Wir würfelten es aus, wie Gentlemen. Unser Krieger
war also der Erste. Wir beglückwünschten ihn, behielten aber jeweils
unser Exemplar des Kopfes. Man kann es ja mal versuchen.
Wir gingen geschlossen zum König, und präsentierten ihm den Kopf. Er
freute sich sehr, und gab den Kopf einem seiner Diener. Vielleicht um
ihn auszustopfen oder so. Der Krieger erhielt seine Belohnung, und
konnte gehen. Ich fasste mir ein Herz und sagte ‚Mein König, auch ich
habe etwas für Euch.‘ Ich zog den verwesenden Kopf des Bösewichts aus
dem Rucksack, und gab ihn dem König. Er freute sich sehr, und gab mir
meine Belohnung - als wäre der Krieger nie bei ihm gewesen. Er gab
einem Diener den Kopf, der ihn dann wegbrachte. Die übrigen drei
folgten meinem Beispiel, und jeder erhielt seine Belohnung.
Seltsame Dinge laufen in dieser Welt ab.
4. Beispiel: Nahe zusammenstehende Gegner.
Ich erhielt einen Auftrag auf einerfernen Insel. Kräftige
Fischmenschen, die wohl eine Subart der Nachtelfen sind, belagerten
einen Strand. Mein Ziel war es, die so genannten Naga zu töten, und
ihre Flossen als Beweis zu bringen. Die Geschichte mit den zu
sammelnden Körperteilen kennen wir ja bereits, daher beschränke ich
mich hier mal auf einen anderen seltsamen Teil - dem Verhalten der
Gegner.
Ich kam um eine Ecke, und sah vor mir zwei Naga. Sie standen zwar nicht
sehr nah beieinander, doch konnten sie sich sehen. Schätze, es waren
ungefähr 4 Meter, die sie voneinander entfernt waren. Ein normaler
Mensch würde sagen „Wenn du den einen angreifst, sieht der andere das
und geht auf dich los.“ Ich machte mich also auf einen Kampf gegen zwei
bereit, und lockte den ersten Gegner an. Der zweite drehte sich zu
diesem um, und - drehte sich wieder weg. Warum das? Mochten die sich
früher schon nicht? Hab ich das schwarze Schaf des Strandes erwischt?
Einer, bei dem es egal ist, ob er stirbt? Einerlei, er musste sterben.
Diesem Aufruf folgte er auch brav. Als ich den Zweiten dann ebenfalls
erlegte, suchte ich mich wieder zwei Naga aus, die recht nah
beieinander standen - das selbe Phänomen. Mochten die sich einfach alle
nicht untereinander, oder wollten sie so Verwirrung stiften? Ich gebe
zu, sie haben es geschafft. Jeder andere wäre seinem Freund zu Hilfe
geeilt, doch nicht die Naga.
Dieses Phänomen konnte ich später noch bei anderen Spezies beobachten.
Auch ein Gendefekt? Oder waren die vielleicht alle zu doof und haben
gar nicht kapiert, dass wir sie töten?
Ein weiteres Mysterium in der World of Warcraft...
Das 5. und vorläufig letzte Beispiel: Klein aber oho.
Ich zog aus, um Drachkins zu finden, bzw. deren Brutlinge. Diese sind
kaum 3 Wochen alt, und stellen nur eine geringe Bedrohung dar. Sie sind
ungefähr so groß wie ein Hund, wenn sie ihre Flügel ausklappen. Ihr
Körper würde wohl gerade in zwei Hände passen. (Menschenhände, nicht
Nachtelfen-Klodeckel)
Ich machte mich also an einem dieser Brutlinge zu schaffen, und erlegte
ihn. Das Plündern des Leichnams war wieder eine Überraschung - ich zog
ein riesiges Zweihandschwert aus dem kleinen Drachen! Jeder kennt wohl
den Trick mit dem Sack von Weihnachtsmann. (Den Jute-Sack!) Man kann
alles Mögliche in ihn füllen, doch er ist nie voll oder wird schwerer.
Die Drachkins müssen ihm diesen Trick irgendwie kopiert haben.
Vielleicht halten sie ihn als Geisel oder sie haben ihn erpresst.
Anders kann ich mir nicht vorstellen, wie die so ein riesiges Schwert
in so einen kleinen Kerl reinstecken konnten. Alleine bei dem Gewicht
wäre der Kleine nie vom Boden hochgekommen, und wenn dann nur für
wenige Sekunden. Und wegen der Größe... Ich schätze man hätte nur ein
großes Zweihandschwert mit Flügeln gesehen, denn von dem Tier ansich
bliebe wohl nicht viel.
Soviel zu den Mysterien der World of Warcraft.
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• 26.04.2006 - Weihnachten und andere Katastrophen
Kurze Erklärung zu den Charakteren:
Opa A: Für ihn hat der 2. Weltkrieg nie ganz aufgehört. Er zog damals mit seinen Kameraden quer durch Skandinavien, danach ging er zur Bahn und war dort einfacher Arbeiter.
Oma A: War 'in Stellung' im Ruhrgebiet und hat dort auf dem Feld gearbeitet, wenn sie nicht gerade Kartoffeln oder Äpfel geklaut hat, danach Hausfrau.
Opa B: War zwar auch in der SS, hat aber nur die Freizeitangebote mitbekommen und war die ganze Zeit zu Hause. Später Filialleiter in einer Bank.
Oma B: Flüchtling aus Preußen, später Hausfrau.
Nach einem vortrefflichen Mahl das meine Mutter zubereitet hat (und alle den Mittagsschlaf hinter sich gebracht haben) ging es an 'Kaffee und Kuchen'. Das ging dann flink über in Wein und Plausch.
Wie es nunmal bei alten Leuten so ist, kommen dann auch die Geschichten von 'früher'.
Opa B: Ham wir das nicht gut? So viel essen, so viel zu trinken... keiner muss frieren wie damals.
Opa A: Du hast doch gar keine Ahnung wie das damals war. Konntest zu Hause bleiben und hast dich durchgefressen, während ich mit meinen Kameraden durch Skandinavien marschiert bin! Die ganze Küste entlang, und wir konnten nich immer was essen! Wir mussten unsere Nahrung erstmal besorgen, jawoll!
Oma A: Nu lass ihn doch. (Pause) Wir mussten damals immer Äppel und Kantüffeln klaun. Da sind wir immer zu Bergers in die...
Oma B: Ach, was wisst ihr denn schon! Wir waren damals auf der Flucht! DAS war schwer. 4 Meter hoher Schnee, und wir hatten nichtmal Schuhe. Wir haben uns nachher Zeitungen um die Füße gewickelt.
Ihr seht, ein Garant für gute Laune. Das Wortgefecht wurde entsprechend laut, und ich zog mich nach draußen zurück. Mein Vater folgte mir, und wir rauchten erstmal gemütlich eine Zigarette.
Er: Immer das Gleiche....
Ich: Ja, sogar immer die gleichen Geschichten. Ob die gar nicht merken, dass die immer das Gleiche erzählen?
In dem Moment kam Opa A auch schon aus dem Haus, setzte sich auf sein Fahrrad und fuhr los, meinen Bruder im Gepäck (er konnte sich damals noch nicht wehren).
Wir gingen wieder rein, es herrschte Stille und alle hielten sich an ihren Gläsern fest. Die Diskussion war vorbei.
Für einen Augenblick. Dann sagte Oma A ganz leise "Also... wir waren ja immer Äpfel klauen bei Bergers und..."
Oma B: Ja, aber ihr habt nur so geklaut. Wir mussten das machen, damit wir überhaupt was zu essen haben! Und zu Hause durften wir am Tisch nie was sagen. "Kinder am Tisch, stumm wie ein Fisch" hat Papa immer gesagt. Und wenn wir doch was gesagt haben, gabs was mit dem Rohrstock. So ein Gerede wie heute gabs damals ja nicht.
Ich: Naja das waren aber auch andere Zeiten. (Hätt ich bloß den Rand gehalten)
Beide Omas fingen an zu feuern, dass die Jugend heutzutage überhaupt nichts mehr von Respekt kennen würde. Die Sittenverrohung wäre überall zu sehen.
Sehr schön auch:
"Als die Röcke kürzer wurden, hat das Elend ja schon angefangen. Da gabs kaum noch richtige Unterhosen, nur noch diese Dreiecke." Gemeint waren natürlich Tangas. "Die rutschen einem doch in den Hintern! Und das soll bequem sein?"
Daraufhin meine Mutter: "Die sollten nicht bequem sein, nur gut aussehen." (Falsche Antwort)
Oma A: "Das hält doch gar nicht warm! Und nachher haben alle Rückenschmerzen. Ich hab nie Rückenschmerzen, ich kenn sowas gar nicht. Und warum? Weil ich immer schön warme Unterwäsche anziehe. Auch im Sommer. Ich muss ja auch immer ein Kopftuch aufhaben (welches ebenfalls ein Hauch von Nichts ist) - zumindest irgendwas. Ich muss irgendwas am Kopf haben (welch Weisheit, wenn einer von uns das gesagt hätte, wäre er enterbt worden), zumindest irgendwas. Sonst krieg ich Kopfschmerzen."
Oma B: "Ich muss immer Haftcreme am Gebiss haben. Einmal hab ich das vergessen, da hab ich gleich eine Druckstelle gekriegt. Hier (macht den Mund auf, und puhlt mit dem Finger in den Kuchenresten rum. Der Rest ihrer Aussage war nur zu erahnen, ungefähr:) da tat das weh, und angeschwollen wars auch noch. (Finger wieder aus dem Mund) Und dann bin ich zum Arzt, und der hat gleich gewusst, dass ich keine Haftcreme benutzt habe. Zum Glück ist mir das Gebiss nicht rausgefallen!"
Beides Omas lachen herzhaft, ich war eher entsetzt. Aber so sind alte Leute. Ohne Scham und Feingefühl. Sie holen im Alter alles nach, was sie als Kind nicht durften. Alles.
Opa A: Sagt mal, habt ihr kein richtiges Klopapier?
Mama: Wieso, was ist denn damit - das ist doch schön.
Opa A: Da kann man sich nichtmal richtig den Hintern abwischen. Ich hab das eben gemacht, und war gleich mit dem Finger...
Mama: LAALALALALALA, das macht nichts, dann klapp doch nächsten Mal mehrere Lagen aufeinander. Das wird uns schon nicht umbringen. Hast dir wenigstens die Hände gewaschen?
Ein Moment Stille, mein Magen fing langsam an zu krampfen.
Opa A: Klar, (plattdeutsch war zu solchen Themen Pflicht) ick hebb jo ook Schiet an Finger hett. (Das Bedarf wohl keiner Erklärung.)
In solchen Momenten ist es immer gut, dass ich mich einfach in mein Auto setzen kann, um den Ort des Geschehens zu verlassen. |
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• 25.04.2006 - Die Konfirmation
Auch davon bleibt eine Familie nicht verschont. Dieses Mal hat es einen meiner Cousins erwischt. Der kleine Hip-Hopper stand fein gekleidet im dunklen Anzug und schmieriger Gelfrisur vor mir, die sonst unter seiner lustigen Mütze versteckt ist. Man stelle sich vor, selbst im Sommer tragen seinesgleichen Wollmützen. Aber kurze Hosen und T-Shirts dazu... Naja, man muss das nicht verstehen. Die kurzen Hosen übrigens nur an einem Bein - man funktioniert eine normale Jeans durch umkrempeln eines Hosenbeins um. Ich weiß nicht, ob ich sowas schick finden soll, aber ich muss es ja auch nicht tragen.
Glücklicherweise brauchten wir nicht mit in die Kirche, sondern durften uns zum Mittag einfinden. Ein leckerer Schmaus war das, da meine Tante direkt neben einem griechischen Restaurant wohnt. Meine Vorliebe für griechisches Essen muss ich wohl nicht betonen - es war ein Festessen. Wir saßen also mit 15 Leuten im Wohnzimmer meiner Tante auf Holzbänken, auf der wohl noch vor ein paar Tagen ordentlich gefeiert wurde. Zumindest roch es noch leicht nach abgestandenem Bier. Von der Esskunst meiner Großeltern wenig überzeugt setzte ich mich neben meinen Bruder, der meine Oma und ihren Mann zur Linken hatte. Mein Vater saß uns gegenüber, und schaute abwechselnd meine Oma und meinen Opa an, die sich ein Wortgefecht lieferten - vornehmlich mit vollem Mund. Entsprechend feucht wurde auch der Tisch.
Nachdem wir mit dem Essen fertig waren, verzogen meine Frau, mein Vater und ich uns auf den Balkon zum Rauchen. Hier ist auch der Umschlagsplatz für die neuesten Gerüchte. Als mein Vater sich leise schimpfend über die Sprech- (und Spuck-)gewohnheiten meiner Großeltern ausgelassen hatte, kam meine Tante in das Zimmer das zum Balkon führt. Wir schauen sie an, sie schaut uns an, winkt - und schließt die Tür. Henkel runter. Wir gucken sie an, klopfen an die Tür und rufen, sie möge doch wieder aufmachen.
Gesagt, getan, sie entschuldigte sich und ging.
Wir setzten uns wieder rein, Opa war verschwunden. Uns wurde gesagt, er würde Mittagsschlaf machen - die Tür vom Schlafzimmer kann aber nur von außen geöffnet werden, oder von innen mit einem Schlüssel. Der fehlte aber. Wir waren uns einig, dass wir einfach in einer Stunde die Tür wieder öffnen, vorsichtshalber.
Ein anderer meiner Cousins, seines Zeichens 3 Jahre jung, setzte sich vor uns auf die Bank und schaute uns an. Sein ganzer Mund war nass, weil er ständig mit der Zunge darüber fuhr, welche recht lang ist.
Ich: "Mach mal deinen Mund trocken, der ist ja ganz nass."
Er: "Nein."
Ich: "Du musst das aber machen, sonst rosten deine Lippen."
Er (etwas ernster und zögerlich): "Nein...."
Ich: "Wenn du aber so oft da rüberleckst, kommt ein Nagel in deine Zunge."
Er schaut mich komisch an.
Ich: "Guck mal, bei mir wurde das schon gemacht." Ich zeigte ihm mein Zungenpiercing.
Er schaut völlig entsetzt und wischte sich sofort den Mund sauber. Dann sagte er "Zeig nochmal."
Ich zeigte es ihm nochmal, und zog etwas daran. Mit offenem Mund schüttelte er sich, und sein Mund war für den Rest des Tages trocken. Lektion gelernt.
Wenig später wollten wir wieder rauchen gehen. Wir trafen uns also zu 6. auf besagtem Balkon. Und, wer hätte es gedacht, meine Tante schließt die Tür. Wir stehen verdutzt draußen, und klopfen gegen die Tür. Leider war es schon zu spät, denn meine Tante war bereits weg. Wir klopften noch eine Weile. Teils gegen die Tür, teils unsere Körper, denn es wurde langsam kühl. Plötzlich hörten wir Bewegungen neben dem Balkon - weitere Besucher kamen die Holztreppe hoch.
Ich lehnte mich über das Geländer und rief den freundlichen Herren.
Ich: "Moin - sag mal drinnen bescheid, die sollen die Balkontür wieder aufmachen."
Er sah mich eine Zeit lang an
Ich (mit Händen): "Geh rein, und sag denen bescheid, die sollen die Balkontür aufmachen."
Er: "Wo?"
Ich: "In der Wohnung, da gibt's nur eine."
Er: "Achso. Balkon aufmachen."
Ich: "Ja, nu mach, es wird kalt."
Er drückte auf den Klingelknopf - Stille. Klingel abgestellt. Er versuchte es noch ein paar Mal, dann wies ich ihn auf die Klinge an der Tür hin. Er drückte sie herunter, die Tür war offen. Wir standen noch weitere 5 Minuten auf dem Balkon, während ich mich immernoch fragte warum nur mir ständig sowas passiert. Dann war meine Tante so gnädig und öffnete uns die Tür. Wir kamen wieder herein, meine Frau wird bleich und stürmt zum Klo. Man sah sie eine halbe Stunde nicht mehr, dann stand sie plötzlich blass im Türrahmen und winkte mich herüber. Ohne weitere Details nennen zu wollen war die Feier für uns vorbei. |
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• 25.04.2006 - Ostern zu Haus
Es ist immer wieder ein Erlebnis - eine Familienzusammenkunft. Feier will ich es mal nicht nennen, denn es war leidglich ein Familienbesuch. Meine Frau und ich besuchten meine Eltern. Wir dachten an nichts Böses, denn Oma hat abgesagt, sie wollte den weiten Weg (ca. 500m die Straße runter) nicht auf sich nehmen. Versteht mich nicht falsch, ich mag meine Oma. Doch wie alte Leute nunmal so sind wird sie seltsam. Jenseits der 80 ist das wohl auch erlaubt. Unsereins ist ja mit Mitte 20 schon seltsam, aber das gehört hier nicht her.
Jedenfalls schlugen wir gegen Mittag bei meinen Eltern auf, und wir schlugen uns erstmal den Bauch voll. Es gab lecker Hähnchen. Mein alter Herr hatte kaum den letzten Bissen runtergeschluckt, da brummte er auch schon 'So, ich geh erstmal Mittagsschlaf machen. Bleibt ihr etwa auch noch zum Kaffee?' - klingt schlimmer als es ist, er hat dabei gegrinst. Ich entgegnete gleich 'Wenn du uns schon so lieb bittest, natürlich.' Mittagspausen bei den Eltern sind nicht sehr spannend, und da das Wetter noch schön war, beschlossen meine Frau und ich eine kleine Spritztour zu machen. Wir fuhren in die nächste Stadt, die an einem Fluss liegt. Ebenso gibt es dort auch eine Fähre, die ein beliebtes Ausflugsziel für Biker und Rentner (oder beides gleichzeitig) ist. Da aber diese Leute scheinbar schliefen, war nichts los an der Fähre - was im Nachhinein auch ganz gut war. Der Anleger ist eine Straße, die dann ins Wasser führt. Die Ränder sind abschüssig und führen direkt an den Strand. Wir pirschten ein Stück weiter runter, aber ich sah schon, dass etwas weiter unten die Steine mit Schlick bedeckt waren.
Ich sagte also zu meiner Frau "Pass auf, da unten sind die Steine glitschig." - "Jaja, ich seh das." Nunja, sie ist alt genug. Ein paar Sekunden später sag ich nochmal "Pass auf, da unten sind die Steine glitschig!" - "Jaja..." - es kam wie es kommen musste. Sie rutschte ein Stück und steckte mit beiden Füßen im Schlick.
Als ich aufhörte zu lachen, habe ich ihr dann herausgeholfen, da sie so tief eingesackt ist, dass sie sich nicht selber befreien konnte. Mit Schlammschuhen und Schlammhose setzte sie sich dann stinkig ins Auto, ständig meckernd ich solle aufhören zu lachen. In Anbetracht der Situation war das nicht ganz einfach, aber ich bemühte mich. Wir fuhren wieder zu meinen Eltern, wo sich meine Mutter das Schlam(m)assel erstmal anschaute. Flugs bekam meine Frau eine Ausweichhose und neue Socken, der Rest flog erstmal in die Waschmaschine.
An nichts Böses denkend wollte ich erstmal vor die Tür um zu rauchen. Ich griff an die Garderobe, fand meine Jacke aber nicht. Ich fragte meine Mutter wo die wohl sei, da grinst sie mich an "Ach, die Taschen hab ich ausgeleert und die Jacke ist in der Wäsche." Verdutzt schaute ich sie an und sagte ihr, dass sie das unterlassen solle.
Ich öffne die Haustür, und plötzlich steht meine Oma da. Sichtlich überascht über ihren Besuch half ich ihr ins Haus und aufs Sofa. Dann ging ich rauchen, mein Vater folgte mir.
Er: "Ich dachte die kann nich herkommen..."
Ich: "Hat sich wohl zusammengerissen."
Er: "Pass ma auf, gleich kommt sie mit ner Eierkocher-Geschichte:"
Ich: "Hat sie endlich nen Neuen?" (Ihr bisheriger ist noch aus den 70ern)
Er: "Ja, aber ich hab ihr 5 mal gesagt, sie wird den nicht hören. Stuhrkopp... Unbedingt wollt sie das Ding haben."
Wir gingen wieder ins Haus, und hörten Oma schon meckern. Wir setzten uns hin, dann ging's weiter.
Oma: "Den blöden Eierkocher kannst wieder mitnehmen, das Ding hört man ja nichtmal! Außerdem werden die Eier zu hart."
Mein Vater: "Das hab ich dir von Anfang an gesagt, aber du wolltest das Ding ja trotzdem haben. Hör ruhig mal auf mich."
Oma: "Tja. Und die Einstellung, dass die Eier zu hart werden kann ich nicht richtig sehen." Sie dreht sich zu meiner Mutter um. "Und du sagst mir ja auch nix mehr!"
Meine Mutter verwundert: "Wieso, was ist denn?"
Oma: "Na Müllers haben einen neuen Zaun."
Mutter: "Ja, das weiß ich. Dachte, das müsst ich dir nicht sagen, immerhin siehst du den, wenn du aus der Haustür kommst."
Oma: "Trotzdem kannst du mir ja sowas sagen."
Das wurde dann von einer Geschichte gefolgt, die in der Kriegszeit spielte (was man aber erst nach 5 Minuten gebannten Hinhörens gemerkt hat, die Geschichte folgte nämlich ohne Punkt und Komma...)
Nach geschlagenen 4 Stunden beendete sie einen Satz und sagte 'So. Und jetzt geh ich nach Hause. Wenn ich jetzt losgehe.. dann... bin ich wohl um halb sieben da.' (es war gerade mal 18 Uhr)
Wir haben uns also verabschiedet, gute Fahrt gewünscht (sie hat einen Wagen als Gehhilfe) und sie verschwandt. Nachdem wir noch das Abendbrot genossen haben, klingelte plötzlich das Telefon. Ich meldete mich, meine Oma war dran. "So. Ich bin jetzt zu Hause. Tschüß" und legte auf.
Ich richtete die frohe Nachricht aus, und meine Frau zog ihre eigentliche Kleidung wieder an. Wir setzten uns ins Auto und fuhren wieder nach Hause.
Und so ging ein 'heiterer' Familientag zu Ende. |
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